Brief wegen Musik im Bayerischen Rundfunk

Sehr geehrter Herr Wilhelm

wir sind ein Verein, dem der Erhalt unserer Bairischen Sprache ein Anliegen ist und wir haben uns zu diesem Thema im Dezember 2013 einmal an Sie gewandt.In Ihrem Antwortschreiben vom 27.1.2014 haben Sie die Position des BR zur Bairischen Sprache dargestellt und versichert, dass Ihnen die bayerischen Lebens- und Mundarten sehr am Herzen liegen. Dieses Mal haben wir ein anderes Anliegen, es geht um die Musik, im speziellen Fall um die Volksmusik, ein wesentlicher Teil unserer Kultur, der aber auch die Sprache berührt.

Der Sender BR 1 streicht ab Pfingsten 2016 sowohl die Volksmusik, als auch die Blasmusik aus seinem Programm. Volksmusik ist dann nur noch, auf dem Digitalsender „Bayern Heimat“ zu hören, genau wie die die klassische Musik auf „Bayern Klassik“ und Unterhaltungsmusik auf „Bayern+“. Damit gehört praktisch die gesamte Sendezeit der anglo-amerikanischen Pop-Musik - der letzte Schritt in eine totale musikalische Eintönigkeit und kulturelle Einseitigkeit.Das ist die eine Sache.

Eine andere ist die: Mit dem Streichen der Volksmusik aus dem BR1 wird diese von einem allgemein zu hörenden Sender auf ein digitales Sonderprogramm abgeschoben, das nicht allgemein gehört werden kann. Das erweckt den Eindruck, die Volksmusik sei nicht alltagstauglich, sie entspreche nicht der Normalität und werde allgemein abgelehnt.

Der BR begründet das mit seinem „Format“; Volksmusik und bairische Sprache werden als „Formatbruch“ gewertet und einer früheren Äußerung einer BR-Mitarbeiterin zufolge würden Nichtbayern einen „Kulturschock“ erleiden, wenn sie so etwas hören. Allein daraus ist zu ersehen, wie entgegen Ihren Beteuerungen der BR zu unserer Kultur steht. Dabei ist festzustellen, dass andere Sender mit einem ausgewogenen und vielseitigen Musikprogramm aufwarten. Auf dem ORF Salzburg läuft den ganzen Tag ein Programm mit gemischter Musik und der Sender wird deshalb auch in Bayern gern gehört. Ähnliches gilt auch für andere Bundesländer.

Dem gebührenzahlenden Hörer steht ein Programm zu, das jedem etwas bietet und das allgemein empfangen werden kann. Bei der jetzigen Programmgestaltung des BR1 wird musikalisch die Mehrheit der Hörer ausgegrenzt. Das Streichen der Volksmusik ist hier ein weiterer Schritt und die bayerische Kultur wird damit ein weiteres Mal abgewertet. Das trifft nicht nur uns Bayern, sondern auch die vielen Urlauber und Gäste, gerade diese kulturellen Eigenheiten schätzen.

Das derzeitige Musikangebot im BR1 ist für die Mehrheit der Hörer nicht akzeptabel. Die Hörer müssen sich in einem gut gemischten Musikprogramm wiederfinden und dazu gehört auch die Volksmusik. Darüberhinaus können spezielle Musikgattungen auf dem Digitalprogramm angeboten werden, wie das derzeit schon der Fall ist.

Abdruck des Briefes geht an Abgeordnete des Bayerischen Landtags, die lokale und überörtliche Presse und an Verbände.

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Mörtl

(Vereinsvorsitzender)

Wie können wir unsere Sprache erhalten? Darum ging es in der Sprachwerkstatt im Bürgerzentrum Burgkirchen, zu der sich etwa 20 Teilnehmer eingefunden hatten. Markus Tremmel, bekannt durch die Heimatsendungen des BR hat die Veranstaltung geleitet. Der Veranstalter war der Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn. Der Vereinsvorsitzende Rudi Mörtl skizzierte eingangs die allgemeine sprachliche Situation: „ Das Bairische wurde in der Vergangenheit stark zurückgedrängt, vor allem in den größeren Städten, bei bestimmten Bevölkerungsschichten und bei der jungen Generation.“    

                                                                                                                                                                  Markus Tremmel
                                                                                                                Markus Tremmel

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