Kulturgut bairische Sprache soll lebendig bleiben Vorlesewettbewerb an der Comenius-Schule am "Internationalen Tag der Muttersprache" In Töging wird noch richtig "boarisch gredt": Diese Erkenntnis hat der Vorlesewettbewerb am Mittwochvormittag an der Comenius-Schule gebracht. Initiiert hatte das Mundartlesen am "Internationalen Tag der Muttersprache" unser Töginger Vereinsmitglied Ernst Müller − gemeinsam mit Martina Scherff, Lehrerin der 7. Klasse. Seit 2009 zähle der bairische Dialekt zu den gefährdeten Sprachen – in zwei Jahrzehnten werde es nach Expertenmeinungen keine bairische Mundart mehr geben, erklärte Müller den anwesenden rund 120 Schülern in der Aula. Der "Verein bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn e.V.", habe es sich zur Aufgabe gemacht, das "Kulturgut Bairisch" als Umgangssprache zu erhalten: "Ihr sollt die nächste Generation sein, die noch die Muttersprache redet!" Zwölf Vorleser, jeweils drei Schülerinnen und Schüler aus den vier Jahrgangsstufen der Schule, durften Texte in bairischer Sprache vorlesen.

v. links : Yassim Cavus; Philip Buchberger;
Joussef Mousa Cheikh

Angefeuert wurden die vier Lesegruppen lautstark von den Mitschülern mit dem Ruf "3, 2, 1 – boarisch!". Die Fünft- und Sechstklassler hatten als Lesevorlage "A Bazi-Gschicht in siem Draddsereien" – in der hochdeutschen Urfassung sind es Wilhelm Buschs sieben Streiche von Max und Moritz – zu meistern. Autor Dr. Hans Göttler führte mit dieser Mundart-Version den Reichtum und die Schönheit der bayerischen Sprache, mit Ausdrücken wie "Bodschampal", "Wehdam" oder "Falottn" vor Augen. Bemerkenswert: Unter die Vorleser reihten sich die Sechstklassler Yassim Cavus und Joussef Mousa Cheikh ein. Cavus ist in Deutschland geboren, hat aber marokkanische Wurzeln. Er war kurzfristig für einen erkrankten Klassenkameraden eingesprungen. Mousa Cheikh hingegen kam mit seiner Familie aus Syrien. Beide Buben lieferten eine glänzende Leistung und lasen ihre Texte gleich allen anderen Vortragenden im Stile von "Urbayern". Die Siebt- und Achtklassler hatten Auszüge aus Toni Lauerers Buch "I bin’s wieder" als Aufgabe.

Die Geschichten um den "Umgang mit verzogenen Fratzen" und "In der Disco" sorgten bei den aufmerksam zuhörenden Mitschülern für allgemeine Freude. Bei dem Lesevermögen der zwölf Protagonisten hatte es die fünfköpfige Jury alles andere als leicht, die jeweiligen Sieger aus den vier Jahrgangsstufen zu küren, gab Rektor Manfred Putz bei der Siegerehrung zu. Nur Nuancen seien es letztlich gewesen, die den Unterschied ausgemacht hätten. "Ihr wart alle großartig – es hat keinen Verlierer gegeben", lobte er die Leistungen. Drei Schülerinnen und ein Schüler durften sich schließlich als Punktbeste über Jahreskarten für das Schwimmbad aus der Hand von Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst freuen. Die acht "zweiten Sieger" wurden mit Gutscheinen für die Eisdiele belohnt. Ein Exemplar des Buches "Der kloa Prinz", gestiftet vom Förderverein der Comeniusschule, sowie eine Teilnahmeurkunde erhielt freilich jeder Interpret. Auch der „Verein Bairische Sprache“ zeigte sich spendabel: Ernst Müller hatte für jede Klasse ein Buch bayerischer Sprachliteratur im Gepäck. Im Vorfeld hatte der 83-jährige Aktivist eine Schülerbefragung über baierische Sprachkenntnisse an der Comeniusschule abgehalten: Aus einer Palette von 27 Sprachbegriffen, etwa "Ruassln" (tief schlafen) oder "Kracherl" (Limonade) mit 3402 möglichen Punkten, hatten die 126 Schüler der acht Klassen, davon viele mit Migrationshintergrund, 1318 Punkte oder 39 Prozent erreicht. − mbu Die Juroren waren 1. Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst, Rektor Manfred Putz, Förderlehrer-Anwärterin Amelie Hoffmann, der ehemalige Comenius-Konrektor Roland Stadler und Ernst Müller vom Verein „Bairische Sprache“. Sie kürten die Sieger der Jahrgangsstufen: Amelie Staller, Klasse 5b; Philipp Buchberger, 6b; Lena Anzeneder, 7M und Alexandra Göttler, 8a. Quelle PNP 24.2.2018

 Die Juroren Martina Scherff (hinten von links), Amelie Hoffmann, Roland Stadler, Ernst Müller, Dr. Tobias Windhorst und Manfred Putz freuten sich über die Leseleistungen von Amelie Staller, Lena Anzeneder, Alexandra Göttler und Philipp Buchberger. − Fotos: Buchberger