Bairisch
ist eine Sprache mit eigener Grammatik, Wortschatz und Schreibung, letztere ist nicht verbindlich festgelegt,
ist eine der süddeutschen Regionalsprachenwie Schwäbisch, Fränkisch, Alemannisch,
ist Hochdeutsch im Gegensatz zu Platt- oder Niederdeutsch,
ist kein heruntergekommenes Deutsch, sondern eine von mehreren deutschen
Sprachformen; diese stehen gleichberechtigt nebeneinander.
Ortsnamen auf Bairisch
„Bairisch – so war’s einmal“
Veränderungen 1871
Sprachliche Situation
Bairisch ist einmalig
Was ist zu tun
Ortsnamen auf Bairisch
Nachdem wir in der letzten Ausgabe unserer Zeitung und in der Lokalpresse darum gebeten hatten, uns mundartliche Ortsnamen zu nennen, wurden uns ca. 150 solcher Namen per Mail, telefonisch oder mit der alten Briefpost übermittelt.
Eine Auswahl davon möchten wir Ihnen hier nennen, wobei Aussprache und Schreibung nicht verbindlich sind:
| Agatoi | Augental |
| Asn | Asten |
| Cheaming, -see | Chieming, -see |
| Diawing | Törwang |
| Dirling | Tyrlaching |
| Dinaschding | Tinnerting |
| Dräd Jarezöd Eding | Altötting |
| Egg | Maria Eck |
| Heiägaschd | Heilegard |
| Hiawading | Hörpolding |
| Hoamating | Harmoning |
| Koi | Kay |
| Lead, Leahad | St. Leonhard, (Wonneberg) |
| Leahartn | St. Leonhard (Schnaitsee) |
| Oanaschding | Einharting |
| Oiwich | Albaching |
| Prean | Prien |
| Remboch | Rettenbach |
| Summering | Sondermoning |
| Winering | Winhöring |
| Zeiing | Zeilarn |
| Verfasser: Rudi Mörtl, Traunstein |
Bairisch - so war's einmal
- Das älteste schriftliche Zeugnis der bairischen Sprache ist der „Abrogans“, entstanden um 790 in Freising
- Bairisch hatte im Mittelalter eine herausragende Bedeutung in der Sprach- und Literaturgeschichte u. a.
- Das Nibelungenlied
- Walther von der Vogelweide (Südtirol?)
- Der Kürenberger (Niederbayern)
- Tannhäuser (Oberbayern / Salzburg)
- In den Kanzleien des bairischen Sprachgebietes wurde in bairischer Sprache geschrieben und gedruckt
- Aventinus (Johannes Turmair 1477 – 1534)
„Bayerische Chronik“, prägnante Darstellung in kraftvollem Schriftbairisch - Viele bairische Schriftsteller sind weit über Bayern hinaus bekannt, z. B. Ludwig Thoma, Lena Christ, Hans Carossa, Georg Britting, Oskar Maria Graf, Carl Orff (Bernauerin)
- Am Kaiserhof in Wien war Mundart üblich
- Bis vor 100 Jahren haben die Sprecher mit allerhöchster Bildung in ihrer Mundart geredet
- Bis vor einigen Jahrzehnten war Bairisch die allgemeine Umgangssprache im bairischen Sprachraum

Veränderungen mit Auswirkung auf die bairische Sprache
Einheitssprache für alle Deutschen
Seit dem späten Mittelalter streben die deutschen Stämme nach einer überregionalen Schriftsprache. Die Erfindung des Buchdrucks und die weite Verbreitung von Luthers Bibelübersetzung treiben diesen Prozess voran.
- 1871 verliert Bayern seine Selbständigkeit. Im Deutschen Reich gewinnt die Schriftsprache weiter an Bedeutung
- Ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur einer deutschen Einheitssprache war das Rechtschreibwörterbuch von Konrad Duden (1880). Die Ausspracheregeln von Theodor Siebs (1898) sind nordd. geprägt
- Die Einheitssprache dominiert. Die Mundarten werden als fehlerhaftes Deutsch und ihre Sprecher als rückständig hingestellt.
Veränderungen in den letzten Jahrzehnten,
- Wandlung vom Agrar- zum Industriestaat
- Von der Mangel- zur Überflußgesellschaft.
- Das Wissen hat sich vervielfacht,
- Neue Techniken, z. B. Computer, Telekommunikation
- Die Religion und Brauchtum verlieren an Bedeutung;
- Zunehmende Verstädterung,
- Steigende Mobilität,
- Fremdenverkehr und allgemeiner Zuzug.
Sprachliche Situation
- Viele Mitbürger halten die bairische Heimatsprache für minderwertig und sprechen eine am Norddeutschen orientierte Umgangssprache.
- München ist dialektfrei (Untersuchung von Dr. Bernhard Stör, 1999); die Abnahme des Dialekts setzt sich in den Städten und zum Teil bereits in den Dörfern fort.
- Kinder hören kaum mehr Bairisch.
- Die lokalen Dialekte schwächen sich ab, die Umgangssprache passt sich an das Standarddeutsche an; nord- und nordwestdeutsche Ausdrücke fließen ein.
- In den Druckmedien wird die süddeutsche Schriftsprache zunehmend durch norddeutsche Ausdrücke verdrängt, z. B. Bub – Junge, Wirtshaus – Kneipe.
- Es gibt nur noch wenige Schriftsteller, die sich der süddeutschen Schriftsprache verpflichtet fühlen.
- Bairisch ist in der Öffentlichkeit kaum mehr zu hören; im BR wird allgemein Schriftdeutsch gesprochen; Politiker vermeiden Mundartnähe in der Öffentlichkeit.
- Kinder hören kaum mehr das „bairische Deutsch“.
Bairisch ist als Sprache gefährdet
- Zum ersten Mal wird Bairisch offiziell von der UNESCO als bedrohte Sprache angesehen (UNESCO „3. Weltatlas der bedrohten Sprachen“, vorgestellt am 9.2.2009 in Paris).
- Aus dem Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg vermitteln Eltern und Erzieher eine norddeutsch geprägte Alltagssprache.
- „Im Regelfall wird in zweisprachigen Gebieten eine Muttersprache zugunsten einer politisch oder ökonomisch dominanten Sprache aufgegeben“ (Goethe-Institut).
Bairisch ist einmalig
Eigene Sprache
- Bairisch hat jeweils eine eigene Grammatik, Wörter, Satzbau und Ausspracheregeln.
- Bairisch mehr als ein Dialekt, es ist eine eigene Sprache.
Lebendig und bildhaft
- Wir verwenden lebendige und bildhafte Ausdrücke, z. B. „Kraft wia a Stier“, „a Mo wia a Baam“.
- Statt dem farblosen Steigerungswort „sehr“ z. B. „himmilang“, „grasgrea“,
Treffend oft nicht zu übersetzen
- Die Muttersprache trifft den Nagel auf den Kopf.
- Sie hat eigene Begriffe, die oft nicht zu übersetzen sind.
- Die Muttersprache kommt von innen, er ist die Sprache der Nähe und des Gefühls.
- Die Muttersprache ist authentisch
- = echt, zuverlässig, glaubwürdig
- Bairisch = mehr als eine Sprache
- Was macht uns zu Baiern? Das wichtigste Merkmal ist die Sprache. Wenn wir diese verlieren, sind wir keine Baiern mehr.
- Heimat: Einharting mit Hochfelln
- Die deutsche Sprache ist von Natur aus vielfältig. Wenn Bairisch verschwindet, dann steuern wir auf ein heimat- und farbloses Einheitsdeutsch zu.
- In der Sprache sind geschichtliche, soziale und kulturelle Entwicklungen gespeichert: Kelten, Römer, Agilolfinger Franzosenzeit. Die Sprache ist das Langzeitgedächtnis eines Volkes:
- Heimat ist ein Raum der Geborgenheit und Vertrautheit, geprägt durch gemeinsame Geschichte, Sprache und Lebensweise. Bairisch = Heimat
Was ist zu tun
……damit auch in Zukunft Bairisch gesprochen wird?
Ansehen verbessern
- Vorurteile gegenüber dem Bairischen abbauen, vor allem bei den besorgten Eltern.
- Aufwertung der bairischen Sprache u. a. durch Verbreitung sprachlichen Wissens in der Öffentlichkeit.
- Vorbilder: Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens müssen sich zu unserer Sprache bekennen, indem bairisch reden.
- Schlüsselstellung der Medien: Ein dezentes Bairisch der Sprecher signalisiert: Bairisch ist auf der Höhe der Zeit
Aktive Unterstützung
- durch die Politik; die öffentliche Verwaltung und die Medien
- Das Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes der UNESCO ist zu ratifizieren und die Bairische Sprache in die Liste der zu schützenden Güter aufzunehmen.
- Forschungen zur bairischen Sprache gibt es zahlreiche. Einige davon haben es sogar in die Buchhandlungen geschafft. Bairisch als Sprache ist in die Lehrpläne einzufügen
- Dem gesprochenen Dialekt und der süddeutschen Schriftsprache sind in den Schulen und Kindergärten ein angemessener Platz einzuräumen
- Wissenschaftliche Dokumentation des Standards Süd der deutschen Sprache, einschl. einer „Roten Liste“ der aussterbenden Wörter.
- Koordinieren der sprachlichen Forschung und Dokumentation durch ein „Institut für Bairische Sprache“. Weitere Aufgaben des Instituts: Förderung der Sprachkultur, Schnittstelle zwischen Sprachwissenschaft und der Öffentlichkeit,
- Verwendung der süddeutschen Schriftsprache in der Literatur, auf der Bühne und im Film
- Dialektanteil im Alltag erhöhen
- Bairisch reden bei jeder passenden Gelegenheit,
- vor allem Eltern mit ihren Kindern
- Printmedien verwenden südd. Ausdrücke,
- Dialektfärbung im Rundfunk und Fernsehen.
- Dialekt in Schulen und Kindergärten.
Sprachliches Selbstbewußtsein verbessern
- in Anlehnung einen Wahlspruch der Schwaben:
- „Wir können alles, auch Bairisch und Hochdeutsch“
- Sprachliche Vorbilder:Thomas und Alexander Huber, Extrembergsteiger
- Die Huber Buam
- „Mia redn boarisch!“